Der große Zauberer Oz

Der weite Weg bis zur Erfüllung eines Traums



30 Apr

Leseprobe

Freitag, 30. April 2010, 22:47 Uhr

Der eigentliche Start in die Probenarbeit ist bei uns und dieses Mal die Leseprobe.

Davor jedoch haben wir einen Elternabend für die Eltern der mitspielenden Kinder gesetzt. Vielleicht langweilig für’s Ensemble, aber wichtig für uns, damit alle Eltern wissen, was auf sie und ihre Sprösslinge zukommt und wie ernst es uns damit ist. Nicht, dass jemand kurz und spontan entscheidet, eben mal schnell in den Urlaub zu fahren oder einen Wochenendtrip zu Tante Emma zu unternehmen. Taunusbühne ist ja nur ein netter Zeitvertreib.
Nein!!
Nett ja, aber keine Kinderanimation!
Wir wollen professionelle Arbeit leisten, auch wenn wir keine Profis sind. Unser Anspruch ist hoch.
Dieses Anliegen wollten wir den Eltern vermitteln und uns von ihnen die Unterstützung zusichern lassen. Schriftlich. :)

Und dann ging es endlich los.
Jeder durfte in seiner Rolle das Stück lesen. Das ganze Stück hintereinander weg.

Es klappte gut.
Ich denke, wir haben eine gute Rollenverteilung hinbekommen, auch wenn wir noch nicht komplett sind. Gerade die gewagten, die ungewöhnlichen Besetzungen passen prima.

Wir haben insgesamt eine Stunde gelesen. Das ist im Rahmen, bei angepeilten 90 Minuten Spieldauer. Wir werden straff inszenieren müssen. 15 Minuten Puffer pro Hälfte sind schnell aufgebraucht. Auspielen der Szenen, Umbauten, Kämpfe, etc. Da wir aber kein Musical produzieren und damit keine Lieder hinzukommen, haben wir gute Chancen, die 90 Minuten einzuhalten.

Sinn und Zweck der Übung war jedoch, dem gesamten Ensemble noch einmal Gelegenheit zu geben, dass Stück als Ganzes wahrzunehmen. Wenn wir in die Einzelproben gehen, Gruppenproben zur Rollenfindung vor und Szenenproben nach den Sommerferien, werden wir uns nur mit kleinen Ausschnitten und Details befassen. Schwierig für den Einzelnen, das große Ganze zu erkennen. So haben sie es wenigstens schon einmal gehört. Und wissen jetzt, wo ihr Charakter zum Einsatz kommt und welche Bedeutung er für die Geschichte hat.

Keine Kommentare »



25 Apr

Die unterschätzten Nebenrollen

Sonntag, 25. April 2010, 19:37 Uhr

Warum sind Nebenrollen so unbeliebt?
Manche spielen lieber gar nicht mit, als in einer Nebenrolle.

Natürlich! Jeder möchte gerne große Rollen verkörpern, möchte viel Bühnenpräsenz, sucht Herausforderungen. Jeder möchte gerne mal im Mittelpunkt stehen und stolz sein können, auf sich, auf das Geleistete.
Aber ist es das, weswegen wir Theater spielen?
Um im Mittelpunkt zu stehen?!
Ist das das Ziel?

Für Einige vielleicht, aber ich weiß nicht…

Für mich ist es wichtig, wie gut ein Stück als Ganzes wirkt. Wie gut kann ich mein Publikum erreichen. Wie sehr kann ich es begeistern.
Das ist es, worauf es ankommt!
Und es ist schön, ein Teil davon zu sein.

Viel mehr stellt sich die Frage: Wo kann ich mich am besten einbringen? Wie kann ich meine Talente, meine Fähigkeiten am sinnvollsten beisteuern?
Und wenn es dann die Nebenrolle ist, dann ist es die Nebenrolle.

Ich denke, dass viele gar nicht verstanden haben, wie eine Besetzung vorgenommen wird.
Es geht nicht darum, wer schon wie lange dabei ist, oder wer schon wieviele Auftritte absolviert hat. Ein Hochdienen gibt es nicht. Nicht, wenn man anspruchsvoll arbeiten möchte.
Natürlich ist Bühnenerfahrung wichtig. Tragende Rollen besetzt man nur ungern mit unerfahrenen Leuten. Aber das lässt nicht gleich den Umkehrschluss zu, dass man, hat man Erfahrung erlangt, automatisch für jede Wunschrolle in Frage kommt. Für die Besetzung einer Rolle sind eine Menge anderer Kriterien viel, viel ausschlaggebender.

Viele vermuten bestimmt, dass die sogenannten Nebenrollen Abschieberollen darstellen. Hauptrolle? Nee, leider nicht, ab in die Nebenrollen! Kein Wunder, dass sie so unbeliebt sind. Wer will schon abgeschoben werden?
Ja, zugegeben, ein kleines Körnchen Wahrheit mag darin liegen. Möchte man jemandem die Möglichkeit geben mitzuspielen, Erfahrungen zu sammeln, sich heranzubilden, dann sind Nebenrollen eher geeignet. Geht hier etwas schief, wird nicht gleich das ganze Stück ruiniert. Einen “Ausfall” kann man hier vielleicht verkraften.

Aber, es ist ein absoluter Trugschluss zu denken, auf die Nebenrollen kommt es nicht an!
Sie sind wie das Salz in der Suppe. Ohne überzeugende Nebenfiguren wird das Stück fade. Eine brilliante Darstellung der Hauptakteure verliert sich, findet sie keinen Widerhall in den Aktionen und Reaktionen der Bühnenpartner. Wie soll der Löwe glänzen, kämpft er gegen eine Monsterspinne, die wie ein gutmütiger Dackel dahergewackelt kommt? Wie soll das Gefühl von Gefahr aufkommen, wirkt die Hexe wie ein liebes Großmütterchen?!

Ja, und sie werden unterschätzt, die Nebenrollen. Gnadenlos.
Ganz bestimmt.
Viele denken, der Anspruch von Nebenrollen ist niedrig, die Rolle ist einfach und anspruchslos. Besonders bei Rollen innerhalb einer Gruppe.
Falsch!
Ganz falsch!

Es gibt keine anspruchslosen Rollen.
Zumindest nicht in diesem Stück.
Jede Rolle beinhaltet Herausforderungen.

Kurze Rollen, also Figuren, die nur kurze Zeit auf der Bühne stehen, müssen umso prägnanter gespielt werden, da sie nur sehr wenig Zeit haben sich zu entwickeln, sich zu entfalten. Sie müssen einschlagen. Sofort. Sie müssen Eindruck hinterlassen.
Das ist nicht einfach!
Man kann auch nicht jeden dafür nehmen. Gerade hier muss passgenau besetzt werden.

Eine zusätzliche Schwierigkeit kommt auf die Gruppen zu, die Wunderlandbewohner und die Mohnblumen. Die ersten müssen hervorragend aufeinander eingespielt sein. Sie müssen ein perfektes Timing haben, um als Einheit zu funktionieren. Klar, der Einzelne wird nicht herausgestellt, trotz eigenen Charakters. Keine Chance für Egotrips! Nein. Hier ist Teamwork gefordert.

Ähnlich verhält es sich mit den Mohnblumen. Hier ist es der körperliche Ausdruck, der trainiert, der herausgearbeitet werden muss. Es mag bekannt sein, dass Rollen ohne Text umso schwieriger sein können. Unsere Mohnblumen haben nicht nur keinen Text, sie müssen trotzdem in der kurzen Zeit, die ihnen zur Verfügung steht, eine Geschichte erzählen, inklusive Wandlung der Charaktere.
Ja, es ist nicht leicht in Blumen Charaktere zu sehen…
Die meisten werden hier einen Schneeflockentanz oder eine Schweinehorde – einfach da und wie ein Schwein benommen – erwarten, nichts weiter.
Weit gefehlt!

Aber gut, wir können und wir werden niemanden zwingen. Betteln werden wir auch nicht.
Wir freuen uns über alle, die vorbehaltlos zugesagt haben und mit großer Begeisterung an ihre kleinen aber anspruchsvollen Rollen herangehen.

Keine Kommentare »



23 Apr

Enttäuschung vorprogrammiert?

Freitag, 23. April 2010, 18:52 Uhr

Wir haben ein Ensemble. Die Rollenverteilung ist festgelegt, alle sind einverstanden. Nur die Ensemblemitglieder wissen es noch nicht.
Mir kommt nun die erfreuliche Aufgabe zu – ich habe mich darum gerissen – die Mitspieler zu informieren. Ich werde ihnen sagen, dass sie dabei sind und welche Rolle sie spielen dürfen.

Die meisten werden bestimmt erfreut, vielleicht auch überrascht, aber doch zufrieden sein, mit der ihnen zugedachten Rolle. Aber ich befürchte, es wird auch Enttäuschungen geben. Einige der Kinder haben von großen Rollen geträumt und bekommen “nur” Nebenrollen.

Als Testkaninchen mussten die eigenen Kinder herhalten. Sie waren die Ersten, denen die frohe Botschaft verkündet wurde.
Freude, als solche nicht erkennbar.
Betröppelte Gesichter.
Ruhe, kein Jubel.

Wahrscheinlich werde ich weitere Erfahrungen dieser Art machen. Ich werde weiteren Betties* und Totos traurige Nachrichten überbringen…

Ich frage mich, ob es wirklich geschickt war, auf der Mitmachliste die Spalte “Rollenwunsch” vorzusehen. Hilfreich für’s Regieteam. Klar. Gibt es doch Hinweise, welche Vorlieben die Leute haben, was sie sich zutrauen. Oft bergen diese Angaben interessante Möglichkeiten, die bisher außerhalb jeder Betrachtung lagen. Gerade die gewagten, die atypischen Besetzungen können einer Inszenierung das gewisse Etwas geben. Und fast immer ist ein Anstoß von außen der Auslöser. Warum nicht vom Schauspieler selbst?!

Aber.

Die Gefahr des Rollenwunsches liegt darin, dass der Wunschgedanke greifbar wird. “Ich habe ihn aufgeschrieben. Die Regie weiß, dass ich das will. Ich wurde gefragt! Sie werden ihn bestimmt berücksichtigen. Da waren nicht viele. Und so gut wie die, bin ich allemal! Ich werde die Rolle hoffentlich bekommen. Ich werde die Rolle bestimmt bekommen. Ganz bestimmt.”

Und dann bekommen sie eine andere Rolle.
Keine Hauptrolle…

Ich glaube nicht, dass ich bei einem nächsten Mal, Rollenwünsche äußern lassen werde. Nicht bei Kindern. Sie sollen sich freuen können. Sie sollen sich freuen, dass sie dabei sind. Sie sollen sich freuen können, dass sie eine Rolle haben, die besser, die anspruchsvoller ist, als das letzte Mal. Sie sollen sich freuen können, über die Rollen, die zu ihnen passen.

* Im Original heißt die Hauptfigur Dorothy. Bei uns heißt sie Betty.

Keine Kommentare »



21 Apr

Besetzt

Mittwoch, 21. April 2010, 23:26 Uhr

Ein Puzzlespiel war’s. Ein Puzzlespiel mit vielen flexiblen Teilen. Ganz langsam fügte sich ein Bild zusammen, welches aber lange nicht vollständig harmonisch wirken wollte.

Die Schwierigkeit für mich als Stückautor war oder ist es, sich von den Vorstellungen, die man als Autor entwickelt, wieder zu lösen. Immer hat man seine Figuren vor Augen, wie sie aussehen, wie sie sprechen, wie sie klingen, wie sie wirken. Und nun müssen wir diesen Figuren reale Menschen gegenüberstellen, die diese verkörpern sollen. Jedoch haben wir nicht die Auswahl aus Hunderten von Bewerbern. Ganz im Gegenteil. Wir haben zwar ausreichend Bewerber, um alle Rollen besetzen zu können. Insbesondere die Kinder sind wirklich engagiert. Aber es ist eine Illusion zu glauben, dass man jede Rolle so besetzen kann, wie es das innere Auge vorgibt.

Und dann ist da noch der Partner. Ja, er hat ganz andere Vorstellungen! Er kommt aus einer ganz anderen Richtung. Er kennt die Vorlage nicht und er hat nicht das Script entwickelt. Seine Vorstellung entwickelte sich erst beim Lesen des Stückes. Und beim Bearbeiten. Vor seinem Auge entstehen ganz andere Bilder.

Nun aber gilt es, die Wünsche und Vorstellungen von uns zwei Regisseuren mit der vorgegebenen Realität in Einklang zu bringen.

Schwierig.

Schwierig auch deshalb, weil jeder von uns, obwohl durchaus kompromissbereit, seine Meinung einigermaßen fest zu vertreten weiß.

Die Lösung liegt im Loslassen. Im Eingehen von Wagnissen.

Die Folge sind ungewöhnliche Rollenbesetzungen. Ein Mädchen im Kostüm einer Großmutter, eine erwachsene Frau als kleine Blume oder vielleicht als stämmiger Holzfäller.
Es geht so weit, dass Rollen, die eigentlich mit einem Mann besetzt werden MÜSSEN, vollkommen gegensätzlich besetzt werden. Das Interessante ist, das kann funktionieren. Das kann sogar etwas Besonderes ausmachen, dem Stück die Würze geben.

Es gibt eine Rolle, eigentlich sind es sogar zwei, bei denen ich mich sehr schwer getan habe, sie atypisch zu besetzen. In einem der Fälle hatte ich selbst die Idee und konnte so recht schnell einen gewissen Charme darin erkennen. Im anderen Fall brauchte es zwei Tage, ein langes Telefonat und die Standfestigkeit meines Partners, um mir diese Variante schmackhaft zu machen.
Der Charakter dieser Rolle wird nun ganz anders daherkommen, als es der Autor des Originals und der Stückautor vorgesehen hatten. Wir werden vielleicht den Text ein wenig anpassen müssen. Aber dann liegt in dieser Variante auch durchaus ein gewisser Witz, den es vorher nicht gab.

Ja, wer nun wissen will, welche Rolle…
Sorry.
Es ist zwar nicht wahrscheinlich, dass allzuviele diese Zeilen vor der Premiere lesen werden, aber wer weiß. Wir wollen doch nichts vorwegnehmen! :)

So, nun hoffe ich, dass unser Kompromiss steht. Denn auch mein Partner muss ähnliche Spagate zwischen eigenen Vorstellungen, den meinen und den Tatsachen hinlegen…

Ja, und dann bin ich gespannt auf die Reaktionen unseres Regieteams.

Keine Kommentare »



14 Apr

Der Zauberer der Smaragdenstadt

Mittwoch, 14. April 2010, 19:02 Uhr

So heißt das Buches, welches ich als Kind geliebt habe. Alexander Wolkow, ein russischer Kinderbuchautor, hat die Originalgeschichte von Lyman Frank liebevoll nacherzählt, was illustriert mit wunderschönen, lustigen Bildern auch in deutscher Sprache herausgegeben wurde. Ohne dieses Buch wäre ich wahrscheinlich nie auf den Gedanken gekommen, aus Baums Geschichte ein Theaterstück zu machen. Die Figuren in Wolkows Buch sind so liebenswert beschrieben und die Abenteuer so spannend und kindgerecht erzählt, dass ich sie regelrecht verinnerlicht habe.

Es kam die Idee auf, dieses Buch als Premierengeschenk für unser Ensemble zu verwenden. Eine hervorragende Idee, wie ich fand.

Leider gibt aber das Buch nicht mehr in seiner ursprünglichen Form. Es ist verfügbar, ja, aber in einer lieblos zusammengekürzten Version. Die Erstauflage von 1964 wurde im Jahr 2005 mit der 11. Auflage neu editiert. 216 Seiten ursprünglich, zuzammengestrichen auf 188. Hiebei wurden viele Textpassagen verändert oder schlicht und einfach weggelassen. In Folgebänden, es gibt etliche Fortsetzungen, sind es sogar ganze Kapitel. Damit wird auf viele Beschreibungen, durch welche die Figuren besser charakterisiert werden, welche der Geschichte letztendlich Tiefe verleihen, verzichtet.

So etwas verschenken? Nein. So etwas empfehlen? Nein!

Empfehlenswert ist die Ausgabe aus meiner Kindheit. Wer Interesse an diesem Buch hat, dem empfehle ich einen Bibliotheksbesuch oder eine Recherche im antiquarischen Buchhandel. Bis Auflage 10 des Leipziger Kinderbuchverlages (LEIV) liegt man sicher goldrichtig.

Keine Kommentare »