Ein Puzzlespiel war’s. Ein Puzzlespiel mit vielen flexiblen Teilen. Ganz langsam fügte sich ein Bild zusammen, welches aber lange nicht vollständig harmonisch wirken wollte.
Die Schwierigkeit für mich als Stückautor war oder ist es, sich von den Vorstellungen, die man als Autor entwickelt, wieder zu lösen. Immer hat man seine Figuren vor Augen, wie sie aussehen, wie sie sprechen, wie sie klingen, wie sie wirken. Und nun müssen wir diesen Figuren reale Menschen gegenüberstellen, die diese verkörpern sollen. Jedoch haben wir nicht die Auswahl aus Hunderten von Bewerbern. Ganz im Gegenteil. Wir haben zwar ausreichend Bewerber, um alle Rollen besetzen zu können. Insbesondere die Kinder sind wirklich engagiert. Aber es ist eine Illusion zu glauben, dass man jede Rolle so besetzen kann, wie es das innere Auge vorgibt.
Und dann ist da noch der Partner. Ja, er hat ganz andere Vorstellungen! Er kommt aus einer ganz anderen Richtung. Er kennt die Vorlage nicht und er hat nicht das Script entwickelt. Seine Vorstellung entwickelte sich erst beim Lesen des Stückes. Und beim Bearbeiten. Vor seinem Auge entstehen ganz andere Bilder.
Nun aber gilt es, die Wünsche und Vorstellungen von uns zwei Regisseuren mit der vorgegebenen Realität in Einklang zu bringen.
Schwierig.
Schwierig auch deshalb, weil jeder von uns, obwohl durchaus kompromissbereit, seine Meinung einigermaßen fest zu vertreten weiß.
Die Lösung liegt im Loslassen. Im Eingehen von Wagnissen.
Die Folge sind ungewöhnliche Rollenbesetzungen. Ein Mädchen im Kostüm einer Großmutter, eine erwachsene Frau als kleine Blume oder vielleicht als stämmiger Holzfäller.
Es geht so weit, dass Rollen, die eigentlich mit einem Mann besetzt werden MÜSSEN, vollkommen gegensätzlich besetzt werden. Das Interessante ist, das kann funktionieren. Das kann sogar etwas Besonderes ausmachen, dem Stück die Würze geben.
Es gibt eine Rolle, eigentlich sind es sogar zwei, bei denen ich mich sehr schwer getan habe, sie atypisch zu besetzen. In einem der Fälle hatte ich selbst die Idee und konnte so recht schnell einen gewissen Charme darin erkennen. Im anderen Fall brauchte es zwei Tage, ein langes Telefonat und die Standfestigkeit meines Partners, um mir diese Variante schmackhaft zu machen.
Der Charakter dieser Rolle wird nun ganz anders daherkommen, als es der Autor des Originals und der Stückautor vorgesehen hatten. Wir werden vielleicht den Text ein wenig anpassen müssen. Aber dann liegt in dieser Variante auch durchaus ein gewisser Witz, den es vorher nicht gab.
Ja, wer nun wissen will, welche Rolle…
Sorry.
Es ist zwar nicht wahrscheinlich, dass allzuviele diese Zeilen vor der Premiere lesen werden, aber wer weiß. Wir wollen doch nichts vorwegnehmen!
So, nun hoffe ich, dass unser Kompromiss steht. Denn auch mein Partner muss ähnliche Spagate zwischen eigenen Vorstellungen, den meinen und den Tatsachen hinlegen…
Ja, und dann bin ich gespannt auf die Reaktionen unseres Regieteams.