Der große Zauberer Oz

Der weite Weg bis zur Erfüllung eines Traums



10 Jun

Erste Proben

Donnerstag, 10. Juni 2010, 20:54 Uhr

Ja, da hat der Oz-Blog nun mal einige Tage ohne neuen Eintrag auskommen müssen. Dabei sind durchaus einige Dinge passiert.

Wichtig: Wir konnten nun endlich, nach einer Ehrenrunde, unsere Besetzung komplettieren. Nachdem sich schon einmal alles wunderbar gefügt hatte, mussten wir doch einige Absagen oder Rückzieher hinnehmen.
Ich bin sehr froh, dass dies so früh passiert ist! Zu einem späteren Zeitpunkt hätte uns das vor ernsthafte Probleme gestellt.
So konnten wir in Ruhe abwarten und überlegen, welche Möglichkeiten sich noch anbieten mögen.
Und tatsächlich, das ist das Schöne an der Taunusbühne, hat unser Hilferuf nach einem Löwen gleich mehrere Interessenten auf den Plan gerufen. Wirklich gute Alternativen! Und letztendlich bekam ich sogar meine bevorzugte Besetzungsvariante, einen erwachsenen, männlichen Löwen. :)
Auch alle anderen Rollen haben wir nun in einer, wie wir meinen, hervorragenden Weise besetzt.

Nun kann geprobt werden.

Ja, geprobt haben wir schon. Trotzdem. Ohne größere Schwierigkeiten.

Die gibt es eher durch Überschneidung mit der Sommerproduktion. Dadurch werden viele Kräfte gebunden. Kaum unmittelbar, aber doch in den Köpfen. Natürlich werden jetzt viele helfende Hände benötigt. Hände, die zupacken können. Im Oz-Ensemble sind jedoch nur wenige Erwachsene, fast keine Männer. Also nicht gerade diejenigen, die jetzt so dringend gebraucht werden. Und trotzdem erzeugt es Augenbrauenrunzeln, wenn wir zeitgleich Wochenendproben machen. Ich verstehe das. Durchaus.

Dennoch habe ich, das gebe ich offen zu, kein schlechtes Gewissen.

Beide Produktionen sind wichtig. Klar. Und die näherliegende genießt die höhere Priorität. Auch klar.
Unser Probenplan nimmt von vornherein größtmögliche Rücksicht auf die Termine des Sommerstücks. Alles ist aufeinander abgestimmt.
Wir sind darüberhinaus bereit, flexibel zu reagieren, wenn ungeplante Aktionen notwendig werden. Daran soll es nicht scheitern. Notfalls sagen wir auch Proben ab oder verschieben sie, sollte das erforderlich sein.

Von daher sehe ich keinen Grund, der unausgesprochenen Erwartungshaltung, die Wochenenden vor der Premiere generell freizuhalten, nachzukommen. Dafür haben wir zu wenig Zeit zur Verfügung. Wir proben vor allem mit Kindern. Unter der Woche ist das schlecht oder nicht möglich.

Ich denke auch, wir können die kritischen Brauenrunzeleien sowie die ungesagten Freihalteaufforderungen den allgemeinen Nervositäten vor Premieren und den permanenten Schwierigkeiten, fleißige Helfer zu finden, gut zuschreiben. Wir werden dann auch nicht begeistert sein, wenn bereits im November Proben für den Faust, unser nächstes Sommerstück, angesetzt werden. Schon rein aus Prinzip!

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01 Mai

Teamtag

Samstag, 01. Mai 2010, 19:14 Uhr

Gestern haben wir mit der Leseprobe die Probenarbeit aufgenommen. Aber heute ist der eigentliche Kickoff: Der Teamtag.

Ein ganzer Tag, sofern man 11:00 bis 17:00 Uhr als ganztägig bezeichnen kann. Ein ganzer Tag zum Kennenlernen, zum Zusammenfinden, zum Bilden einer Gemeinschaft. Das ist der Zweck. Das ist das Ziel.

Übungen und Spiele, nicht stückbezogen, ganz ohne Text, nicht rollenbezogen. Einfach, um zueinander und zu sich selbst zu finden.
Wer sehr aufmerksam war, hat vielleicht bemerkt, dass die eine oder andere Übung doch zielgerichtet war und schon bestimmte Fähigkeiten, die der eine oder andere Darsteller später haben sollte, ansprach.

Ich selbst konnte und brauchte nicht viel für diesen Teamtag einbringen. Als ausgebildeter Theaterpädagoge konnte mein Regiepartner aus einem vollen Reservoir schöpfen und hielt die Fäden sicher und fest in der Hand.

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30 Apr

Leseprobe

Freitag, 30. April 2010, 22:47 Uhr

Der eigentliche Start in die Probenarbeit ist bei uns und dieses Mal die Leseprobe.

Davor jedoch haben wir einen Elternabend für die Eltern der mitspielenden Kinder gesetzt. Vielleicht langweilig für’s Ensemble, aber wichtig für uns, damit alle Eltern wissen, was auf sie und ihre Sprösslinge zukommt und wie ernst es uns damit ist. Nicht, dass jemand kurz und spontan entscheidet, eben mal schnell in den Urlaub zu fahren oder einen Wochenendtrip zu Tante Emma zu unternehmen. Taunusbühne ist ja nur ein netter Zeitvertreib.
Nein!!
Nett ja, aber keine Kinderanimation!
Wir wollen professionelle Arbeit leisten, auch wenn wir keine Profis sind. Unser Anspruch ist hoch.
Dieses Anliegen wollten wir den Eltern vermitteln und uns von ihnen die Unterstützung zusichern lassen. Schriftlich. :)

Und dann ging es endlich los.
Jeder durfte in seiner Rolle das Stück lesen. Das ganze Stück hintereinander weg.

Es klappte gut.
Ich denke, wir haben eine gute Rollenverteilung hinbekommen, auch wenn wir noch nicht komplett sind. Gerade die gewagten, die ungewöhnlichen Besetzungen passen prima.

Wir haben insgesamt eine Stunde gelesen. Das ist im Rahmen, bei angepeilten 90 Minuten Spieldauer. Wir werden straff inszenieren müssen. 15 Minuten Puffer pro Hälfte sind schnell aufgebraucht. Auspielen der Szenen, Umbauten, Kämpfe, etc. Da wir aber kein Musical produzieren und damit keine Lieder hinzukommen, haben wir gute Chancen, die 90 Minuten einzuhalten.

Sinn und Zweck der Übung war jedoch, dem gesamten Ensemble noch einmal Gelegenheit zu geben, dass Stück als Ganzes wahrzunehmen. Wenn wir in die Einzelproben gehen, Gruppenproben zur Rollenfindung vor und Szenenproben nach den Sommerferien, werden wir uns nur mit kleinen Ausschnitten und Details befassen. Schwierig für den Einzelnen, das große Ganze zu erkennen. So haben sie es wenigstens schon einmal gehört. Und wissen jetzt, wo ihr Charakter zum Einsatz kommt und welche Bedeutung er für die Geschichte hat.

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25 Apr

Die unterschätzten Nebenrollen

Sonntag, 25. April 2010, 19:37 Uhr

Warum sind Nebenrollen so unbeliebt?
Manche spielen lieber gar nicht mit, als in einer Nebenrolle.

Natürlich! Jeder möchte gerne große Rollen verkörpern, möchte viel Bühnenpräsenz, sucht Herausforderungen. Jeder möchte gerne mal im Mittelpunkt stehen und stolz sein können, auf sich, auf das Geleistete.
Aber ist es das, weswegen wir Theater spielen?
Um im Mittelpunkt zu stehen?!
Ist das das Ziel?

Für Einige vielleicht, aber ich weiß nicht…

Für mich ist es wichtig, wie gut ein Stück als Ganzes wirkt. Wie gut kann ich mein Publikum erreichen. Wie sehr kann ich es begeistern.
Das ist es, worauf es ankommt!
Und es ist schön, ein Teil davon zu sein.

Viel mehr stellt sich die Frage: Wo kann ich mich am besten einbringen? Wie kann ich meine Talente, meine Fähigkeiten am sinnvollsten beisteuern?
Und wenn es dann die Nebenrolle ist, dann ist es die Nebenrolle.

Ich denke, dass viele gar nicht verstanden haben, wie eine Besetzung vorgenommen wird.
Es geht nicht darum, wer schon wie lange dabei ist, oder wer schon wieviele Auftritte absolviert hat. Ein Hochdienen gibt es nicht. Nicht, wenn man anspruchsvoll arbeiten möchte.
Natürlich ist Bühnenerfahrung wichtig. Tragende Rollen besetzt man nur ungern mit unerfahrenen Leuten. Aber das lässt nicht gleich den Umkehrschluss zu, dass man, hat man Erfahrung erlangt, automatisch für jede Wunschrolle in Frage kommt. Für die Besetzung einer Rolle sind eine Menge anderer Kriterien viel, viel ausschlaggebender.

Viele vermuten bestimmt, dass die sogenannten Nebenrollen Abschieberollen darstellen. Hauptrolle? Nee, leider nicht, ab in die Nebenrollen! Kein Wunder, dass sie so unbeliebt sind. Wer will schon abgeschoben werden?
Ja, zugegeben, ein kleines Körnchen Wahrheit mag darin liegen. Möchte man jemandem die Möglichkeit geben mitzuspielen, Erfahrungen zu sammeln, sich heranzubilden, dann sind Nebenrollen eher geeignet. Geht hier etwas schief, wird nicht gleich das ganze Stück ruiniert. Einen “Ausfall” kann man hier vielleicht verkraften.

Aber, es ist ein absoluter Trugschluss zu denken, auf die Nebenrollen kommt es nicht an!
Sie sind wie das Salz in der Suppe. Ohne überzeugende Nebenfiguren wird das Stück fade. Eine brilliante Darstellung der Hauptakteure verliert sich, findet sie keinen Widerhall in den Aktionen und Reaktionen der Bühnenpartner. Wie soll der Löwe glänzen, kämpft er gegen eine Monsterspinne, die wie ein gutmütiger Dackel dahergewackelt kommt? Wie soll das Gefühl von Gefahr aufkommen, wirkt die Hexe wie ein liebes Großmütterchen?!

Ja, und sie werden unterschätzt, die Nebenrollen. Gnadenlos.
Ganz bestimmt.
Viele denken, der Anspruch von Nebenrollen ist niedrig, die Rolle ist einfach und anspruchslos. Besonders bei Rollen innerhalb einer Gruppe.
Falsch!
Ganz falsch!

Es gibt keine anspruchslosen Rollen.
Zumindest nicht in diesem Stück.
Jede Rolle beinhaltet Herausforderungen.

Kurze Rollen, also Figuren, die nur kurze Zeit auf der Bühne stehen, müssen umso prägnanter gespielt werden, da sie nur sehr wenig Zeit haben sich zu entwickeln, sich zu entfalten. Sie müssen einschlagen. Sofort. Sie müssen Eindruck hinterlassen.
Das ist nicht einfach!
Man kann auch nicht jeden dafür nehmen. Gerade hier muss passgenau besetzt werden.

Eine zusätzliche Schwierigkeit kommt auf die Gruppen zu, die Wunderlandbewohner und die Mohnblumen. Die ersten müssen hervorragend aufeinander eingespielt sein. Sie müssen ein perfektes Timing haben, um als Einheit zu funktionieren. Klar, der Einzelne wird nicht herausgestellt, trotz eigenen Charakters. Keine Chance für Egotrips! Nein. Hier ist Teamwork gefordert.

Ähnlich verhält es sich mit den Mohnblumen. Hier ist es der körperliche Ausdruck, der trainiert, der herausgearbeitet werden muss. Es mag bekannt sein, dass Rollen ohne Text umso schwieriger sein können. Unsere Mohnblumen haben nicht nur keinen Text, sie müssen trotzdem in der kurzen Zeit, die ihnen zur Verfügung steht, eine Geschichte erzählen, inklusive Wandlung der Charaktere.
Ja, es ist nicht leicht in Blumen Charaktere zu sehen…
Die meisten werden hier einen Schneeflockentanz oder eine Schweinehorde – einfach da und wie ein Schwein benommen – erwarten, nichts weiter.
Weit gefehlt!

Aber gut, wir können und wir werden niemanden zwingen. Betteln werden wir auch nicht.
Wir freuen uns über alle, die vorbehaltlos zugesagt haben und mit großer Begeisterung an ihre kleinen aber anspruchsvollen Rollen herangehen.

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23 Apr

Enttäuschung vorprogrammiert?

Freitag, 23. April 2010, 18:52 Uhr

Wir haben ein Ensemble. Die Rollenverteilung ist festgelegt, alle sind einverstanden. Nur die Ensemblemitglieder wissen es noch nicht.
Mir kommt nun die erfreuliche Aufgabe zu – ich habe mich darum gerissen – die Mitspieler zu informieren. Ich werde ihnen sagen, dass sie dabei sind und welche Rolle sie spielen dürfen.

Die meisten werden bestimmt erfreut, vielleicht auch überrascht, aber doch zufrieden sein, mit der ihnen zugedachten Rolle. Aber ich befürchte, es wird auch Enttäuschungen geben. Einige der Kinder haben von großen Rollen geträumt und bekommen “nur” Nebenrollen.

Als Testkaninchen mussten die eigenen Kinder herhalten. Sie waren die Ersten, denen die frohe Botschaft verkündet wurde.
Freude, als solche nicht erkennbar.
Betröppelte Gesichter.
Ruhe, kein Jubel.

Wahrscheinlich werde ich weitere Erfahrungen dieser Art machen. Ich werde weiteren Betties* und Totos traurige Nachrichten überbringen…

Ich frage mich, ob es wirklich geschickt war, auf der Mitmachliste die Spalte “Rollenwunsch” vorzusehen. Hilfreich für’s Regieteam. Klar. Gibt es doch Hinweise, welche Vorlieben die Leute haben, was sie sich zutrauen. Oft bergen diese Angaben interessante Möglichkeiten, die bisher außerhalb jeder Betrachtung lagen. Gerade die gewagten, die atypischen Besetzungen können einer Inszenierung das gewisse Etwas geben. Und fast immer ist ein Anstoß von außen der Auslöser. Warum nicht vom Schauspieler selbst?!

Aber.

Die Gefahr des Rollenwunsches liegt darin, dass der Wunschgedanke greifbar wird. “Ich habe ihn aufgeschrieben. Die Regie weiß, dass ich das will. Ich wurde gefragt! Sie werden ihn bestimmt berücksichtigen. Da waren nicht viele. Und so gut wie die, bin ich allemal! Ich werde die Rolle hoffentlich bekommen. Ich werde die Rolle bestimmt bekommen. Ganz bestimmt.”

Und dann bekommen sie eine andere Rolle.
Keine Hauptrolle…

Ich glaube nicht, dass ich bei einem nächsten Mal, Rollenwünsche äußern lassen werde. Nicht bei Kindern. Sie sollen sich freuen können. Sie sollen sich freuen, dass sie dabei sind. Sie sollen sich freuen können, dass sie eine Rolle haben, die besser, die anspruchsvoller ist, als das letzte Mal. Sie sollen sich freuen können, über die Rollen, die zu ihnen passen.

* Im Original heißt die Hauptfigur Dorothy. Bei uns heißt sie Betty.

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