Warum sind Nebenrollen so unbeliebt?
Manche spielen lieber gar nicht mit, als in einer Nebenrolle.
Natürlich! Jeder möchte gerne große Rollen verkörpern, möchte viel Bühnenpräsenz, sucht Herausforderungen. Jeder möchte gerne mal im Mittelpunkt stehen und stolz sein können, auf sich, auf das Geleistete.
Aber ist es das, weswegen wir Theater spielen?
Um im Mittelpunkt zu stehen?!
Ist das das Ziel?
Für Einige vielleicht, aber ich weiß nicht…
Für mich ist es wichtig, wie gut ein Stück als Ganzes wirkt. Wie gut kann ich mein Publikum erreichen. Wie sehr kann ich es begeistern.
Das ist es, worauf es ankommt!
Und es ist schön, ein Teil davon zu sein.
Viel mehr stellt sich die Frage: Wo kann ich mich am besten einbringen? Wie kann ich meine Talente, meine Fähigkeiten am sinnvollsten beisteuern?
Und wenn es dann die Nebenrolle ist, dann ist es die Nebenrolle.
Ich denke, dass viele gar nicht verstanden haben, wie eine Besetzung vorgenommen wird.
Es geht nicht darum, wer schon wie lange dabei ist, oder wer schon wieviele Auftritte absolviert hat. Ein Hochdienen gibt es nicht. Nicht, wenn man anspruchsvoll arbeiten möchte.
Natürlich ist Bühnenerfahrung wichtig. Tragende Rollen besetzt man nur ungern mit unerfahrenen Leuten. Aber das lässt nicht gleich den Umkehrschluss zu, dass man, hat man Erfahrung erlangt, automatisch für jede Wunschrolle in Frage kommt. Für die Besetzung einer Rolle sind eine Menge anderer Kriterien viel, viel ausschlaggebender.
Viele vermuten bestimmt, dass die sogenannten Nebenrollen Abschieberollen darstellen. Hauptrolle? Nee, leider nicht, ab in die Nebenrollen! Kein Wunder, dass sie so unbeliebt sind. Wer will schon abgeschoben werden?
Ja, zugegeben, ein kleines Körnchen Wahrheit mag darin liegen. Möchte man jemandem die Möglichkeit geben mitzuspielen, Erfahrungen zu sammeln, sich heranzubilden, dann sind Nebenrollen eher geeignet. Geht hier etwas schief, wird nicht gleich das ganze Stück ruiniert. Einen “Ausfall” kann man hier vielleicht verkraften.
Aber, es ist ein absoluter Trugschluss zu denken, auf die Nebenrollen kommt es nicht an!
Sie sind wie das Salz in der Suppe. Ohne überzeugende Nebenfiguren wird das Stück fade. Eine brilliante Darstellung der Hauptakteure verliert sich, findet sie keinen Widerhall in den Aktionen und Reaktionen der Bühnenpartner. Wie soll der Löwe glänzen, kämpft er gegen eine Monsterspinne, die wie ein gutmütiger Dackel dahergewackelt kommt? Wie soll das Gefühl von Gefahr aufkommen, wirkt die Hexe wie ein liebes Großmütterchen?!
Ja, und sie werden unterschätzt, die Nebenrollen. Gnadenlos.
Ganz bestimmt.
Viele denken, der Anspruch von Nebenrollen ist niedrig, die Rolle ist einfach und anspruchslos. Besonders bei Rollen innerhalb einer Gruppe.
Falsch!
Ganz falsch!
Es gibt keine anspruchslosen Rollen.
Zumindest nicht in diesem Stück.
Jede Rolle beinhaltet Herausforderungen.
Kurze Rollen, also Figuren, die nur kurze Zeit auf der Bühne stehen, müssen umso prägnanter gespielt werden, da sie nur sehr wenig Zeit haben sich zu entwickeln, sich zu entfalten. Sie müssen einschlagen. Sofort. Sie müssen Eindruck hinterlassen.
Das ist nicht einfach!
Man kann auch nicht jeden dafür nehmen. Gerade hier muss passgenau besetzt werden.
Eine zusätzliche Schwierigkeit kommt auf die Gruppen zu, die Wunderlandbewohner und die Mohnblumen. Die ersten müssen hervorragend aufeinander eingespielt sein. Sie müssen ein perfektes Timing haben, um als Einheit zu funktionieren. Klar, der Einzelne wird nicht herausgestellt, trotz eigenen Charakters. Keine Chance für Egotrips! Nein. Hier ist Teamwork gefordert.
Ähnlich verhält es sich mit den Mohnblumen. Hier ist es der körperliche Ausdruck, der trainiert, der herausgearbeitet werden muss. Es mag bekannt sein, dass Rollen ohne Text umso schwieriger sein können. Unsere Mohnblumen haben nicht nur keinen Text, sie müssen trotzdem in der kurzen Zeit, die ihnen zur Verfügung steht, eine Geschichte erzählen, inklusive Wandlung der Charaktere.
Ja, es ist nicht leicht in Blumen Charaktere zu sehen…
Die meisten werden hier einen Schneeflockentanz oder eine Schweinehorde – einfach da und wie ein Schwein benommen – erwarten, nichts weiter.
Weit gefehlt!
Aber gut, wir können und wir werden niemanden zwingen. Betteln werden wir auch nicht.
Wir freuen uns über alle, die vorbehaltlos zugesagt haben und mit großer Begeisterung an ihre kleinen aber anspruchsvollen Rollen herangehen.