Der große Zauberer Oz

Der weite Weg bis zur Erfüllung eines Traums



21 Apr

Besetzt

Mittwoch, 21. April 2010, 23:26 Uhr

Ein Puzzlespiel war’s. Ein Puzzlespiel mit vielen flexiblen Teilen. Ganz langsam fügte sich ein Bild zusammen, welches aber lange nicht vollständig harmonisch wirken wollte.

Die Schwierigkeit für mich als Stückautor war oder ist es, sich von den Vorstellungen, die man als Autor entwickelt, wieder zu lösen. Immer hat man seine Figuren vor Augen, wie sie aussehen, wie sie sprechen, wie sie klingen, wie sie wirken. Und nun müssen wir diesen Figuren reale Menschen gegenüberstellen, die diese verkörpern sollen. Jedoch haben wir nicht die Auswahl aus Hunderten von Bewerbern. Ganz im Gegenteil. Wir haben zwar ausreichend Bewerber, um alle Rollen besetzen zu können. Insbesondere die Kinder sind wirklich engagiert. Aber es ist eine Illusion zu glauben, dass man jede Rolle so besetzen kann, wie es das innere Auge vorgibt.

Und dann ist da noch der Partner. Ja, er hat ganz andere Vorstellungen! Er kommt aus einer ganz anderen Richtung. Er kennt die Vorlage nicht und er hat nicht das Script entwickelt. Seine Vorstellung entwickelte sich erst beim Lesen des Stückes. Und beim Bearbeiten. Vor seinem Auge entstehen ganz andere Bilder.

Nun aber gilt es, die Wünsche und Vorstellungen von uns zwei Regisseuren mit der vorgegebenen Realität in Einklang zu bringen.

Schwierig.

Schwierig auch deshalb, weil jeder von uns, obwohl durchaus kompromissbereit, seine Meinung einigermaßen fest zu vertreten weiß.

Die Lösung liegt im Loslassen. Im Eingehen von Wagnissen.

Die Folge sind ungewöhnliche Rollenbesetzungen. Ein Mädchen im Kostüm einer Großmutter, eine erwachsene Frau als kleine Blume oder vielleicht als stämmiger Holzfäller.
Es geht so weit, dass Rollen, die eigentlich mit einem Mann besetzt werden MÜSSEN, vollkommen gegensätzlich besetzt werden. Das Interessante ist, das kann funktionieren. Das kann sogar etwas Besonderes ausmachen, dem Stück die Würze geben.

Es gibt eine Rolle, eigentlich sind es sogar zwei, bei denen ich mich sehr schwer getan habe, sie atypisch zu besetzen. In einem der Fälle hatte ich selbst die Idee und konnte so recht schnell einen gewissen Charme darin erkennen. Im anderen Fall brauchte es zwei Tage, ein langes Telefonat und die Standfestigkeit meines Partners, um mir diese Variante schmackhaft zu machen.
Der Charakter dieser Rolle wird nun ganz anders daherkommen, als es der Autor des Originals und der Stückautor vorgesehen hatten. Wir werden vielleicht den Text ein wenig anpassen müssen. Aber dann liegt in dieser Variante auch durchaus ein gewisser Witz, den es vorher nicht gab.

Ja, wer nun wissen will, welche Rolle…
Sorry.
Es ist zwar nicht wahrscheinlich, dass allzuviele diese Zeilen vor der Premiere lesen werden, aber wer weiß. Wir wollen doch nichts vorwegnehmen! :)

So, nun hoffe ich, dass unser Kompromiss steht. Denn auch mein Partner muss ähnliche Spagate zwischen eigenen Vorstellungen, den meinen und den Tatsachen hinlegen…

Ja, und dann bin ich gespannt auf die Reaktionen unseres Regieteams.

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14 Apr

Der Zauberer der Smaragdenstadt

Mittwoch, 14. April 2010, 19:02 Uhr

So heißt das Buches, welches ich als Kind geliebt habe. Alexander Wolkow, ein russischer Kinderbuchautor, hat die Originalgeschichte von Lyman Frank liebevoll nacherzählt, was illustriert mit wunderschönen, lustigen Bildern auch in deutscher Sprache herausgegeben wurde. Ohne dieses Buch wäre ich wahrscheinlich nie auf den Gedanken gekommen, aus Baums Geschichte ein Theaterstück zu machen. Die Figuren in Wolkows Buch sind so liebenswert beschrieben und die Abenteuer so spannend und kindgerecht erzählt, dass ich sie regelrecht verinnerlicht habe.

Es kam die Idee auf, dieses Buch als Premierengeschenk für unser Ensemble zu verwenden. Eine hervorragende Idee, wie ich fand.

Leider gibt aber das Buch nicht mehr in seiner ursprünglichen Form. Es ist verfügbar, ja, aber in einer lieblos zusammengekürzten Version. Die Erstauflage von 1964 wurde im Jahr 2005 mit der 11. Auflage neu editiert. 216 Seiten ursprünglich, zuzammengestrichen auf 188. Hiebei wurden viele Textpassagen verändert oder schlicht und einfach weggelassen. In Folgebänden, es gibt etliche Fortsetzungen, sind es sogar ganze Kapitel. Damit wird auf viele Beschreibungen, durch welche die Figuren besser charakterisiert werden, welche der Geschichte letztendlich Tiefe verleihen, verzichtet.

So etwas verschenken? Nein. So etwas empfehlen? Nein!

Empfehlenswert ist die Ausgabe aus meiner Kindheit. Wer Interesse an diesem Buch hat, dem empfehle ich einen Bibliotheksbesuch oder eine Recherche im antiquarischen Buchhandel. Bis Auflage 10 des Leipziger Kinderbuchverlages (LEIV) liegt man sicher goldrichtig.

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12 Apr

Stückvorstellung

Montag, 12. April 2010, 23:48 Uhr

So langsam füllt sich der Saal. Die aufgestellten Bankreihen sind bald besetzt. Vor allem Kinder.

Das liegt in der Natur des Wintermärchens. Hier haben die Kinder der Taunusbühne die Chance selbst aktiv zu werden, selbst auf die Bühne zu kommen und an einer großen Produktion teilzuhaben. Die Erwachsenen halten sich vornehm zurück. Aus unterschiedlichen Gründen. Etliche sind in die Sommerproduktion eingebunden und es wäre zu viel, Non-Stop weiterzumachen. Andere mögen anspruchsvolleren Stoffen zugewandt sein, wollen sich vielleicht nicht im Märchen engagieren. Vielleicht sagt ihnen auch Stück oder Rollenauswahl oder Regieteam nicht zu. Oder sie haben schlicht und weg keine Zeit. Alles Spekulation. Wir werden es nie erfahren.

Wir warten weitere 15 Minuten, in der Hoffnung, dass noch ein paar Mitmachwillige oder wenigstens Interessierte dazukommen. Zu-Spät-Kommer gibt es immer.

Ich denke, es ist gelungen, Stück und Probenkonzept ansprechend und in gelöster Atmosphäre vorzustellen. Vielleicht haben wir sogar zu heftig auf die Wichtigkeit der Anwesenheit bei Proben, und den großen Zeitaufwand für einige Rollen hingewiesen. Vielleicht haben sich einige davon abschrecken lassen. Die Anzahl der Eintragungen in die Mitmachlisten lassen eine solche Vermutung aufkommen.

Wie auch immer. Jetzt beginnt die wahrscheinlich wichtigste Phase der ganzen Produktion – die Besetzung.

Wichtig: Mit der Auswahl der richtigen Leute werden die Weichen gestellt. Hiermit wird vorentschieden, wie treffend die Charaktere wirken werden und wieviel Arbeit man letztendlich mit der Ausarbeitung der einzelnen Rollen und Szenen haben wird.

Aber, wir haben keine große Auswahl. Wir können nicht aus einem riesigen Topf schöpfen, um uns die perfekt passenden Darsteller herauszupicken. Unsere Herausforderung lautet, die Aktiven, Kinder wie Erwachsene, so auf die verschiedenen Rollen zu verteilen, dass die Charaktere im Gesamtkontext glaubhaft wirken und die Darsteller sich selbst dafür begeistern können. Ja, nur in wenigen Fällen werden wir Rollenwünschen nachkommen können. Zu oft entsprechen die Vorstellungen nicht den Gegebenheiten, die sich aus dem angestrebten Gesamtbild ergeben.

Ein Beispiel: Toto ist das kleine Hündchen unserer Protaginistin Betty. Damit Toto wirklich klein wirkt, muss er im Kontrast zu Betty tatsächlich klein sein. Anderfalls würde ihn jeder für einen Bernhardiner halten und keinesfalls für einen Cairn-Terrier. Klein heißt zwangsläufig jung. Toto gehört zu den tragenden Rollen. Das bedeutet einen sehr hohen Probenaufwand. Auch unter der Woche bis abends halb zehn. Für einen sehr jungen Schauspieler kann und wird genau das ein Problem darstellen. Also, nicht zu jung besetzen!
Nun muss aber der Kontrast zu Betty angepasst werden. Damit Toto klein wirkt, muss Betty groß sein. Die Wunderlandbewohner sind allesamt eher klein, damit ist das unbedenklich. Im Idealfall kann und sollte Betty also von einer Jugendlichen gespielt werden. Sie sollte groß aber trotzdem schlank und zierlich sein. Sie muss kindlich wirken. Sie muss sich vor allem kindlich bewegen, damit sie eine 12jährige glaubhaft verkörpern kann.
Wir haben nun eine Zahl von Meldungen für die Betty-Rolle, aber keine aus der anvisierten Altersgruppe. Die Jugendlichen liebäugeln eher, so weit sie sich überhaupt eingetragen haben, mit Erwachsenenrollen.
Für andere Rollen, die nicht minder wichtig sind, konnte sich bisher gar niemand erwärmen.

So werden wir etwas schieben, etwas drücken und etwas motivieren müssen, um ein gutproportioniertes Ensemble hinzubekommen.
Und ich werde wohl auch selbst einige Ausschlusskriterien überdenken und etliche Wunschvorstellungen über Bord werfen müssen.

Ok.

Es werden spannende Tage.

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09 Apr

Regieteam-Premiere

Freitag, 09. April 2010, 23:05 Uhr

Ungezwungen, locker, beinahe gemütlich, soweit dies der sogenannte “Vorstandsraum” im Clubheim überhaupt zulässt, saßen wir beisammen. Es war das erste Treffen des gesamten Regieteams. Ziel: Der Stückvorstellung am Montag den letzten Schliff zu geben.
Natürlich ist es nicht elementar, eine perfekte Show abzuziehen, aber es soll doch einigermaßen ansprechend rüberkommen und ordentlich organisiert wirken. Wir sind zwar “in Familie”, trotzdem haben wir “Großes vor”…

Die Präsentation habe ich in den letzten zwei Tagen vorbereitet. Sie fand allgemeinen Beifall. Schön. Besonders die netten Illustrationen aus dem Wolkow Buch (für nicht-öffentliche Zwecke kann man sie ja mal entleihen) kamen gut an. Sie geben den trockenen Informationen Leben. Ich denke, so werden Kinder und Erwachsene was zum Schauen haben, während wir unsere harten Fakten vermitteln.

Ein paar Abstimmungen noch untereinander – wer, was, wie – und nun kann sie kommen, die Stückvorstellung.

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07 Apr

Es geht um Freude

Mittwoch, 07. April 2010, 22:54 Uhr

Es wird ernst.

Der große Tag der Stückvorstellung rückt näher und näher.

Eine gewisse Nervosität beginnt sich wieder einzuschleichen.
Es ist noch so viel zu tun.

Gut, der Text ist fertig. Mit diesem Text werden wir in die Probenarbeit einsteigen.
Fertig heißt allerdings nicht, dass er nun in Beton gemeißelt ist. Klar, er gibt die Linie vor. Aber wenn bei den Proben gute Ideen dazukommen, wenn Textpassagen zu kompliziert sind, Schauspieler damit nicht zurechtkommen, oder wenn einfach andere Variationen besser zu Darsteller oder Rolle passen, dann werden wir ändern. Natürlich.
Der jetzt vorliegende Stücktext ist der “Finale Ausgangspunkt”.

Probenplan, Szenenplan und Rollenspiegel sind auch fertig und liegen als Datei vor. Die Mitmachliste ist ausgedruckt und in ausreichender Menge vorhanden.

Was jetzt noch fehlt, ist eine Präsentation.

Ja, man braucht sie nicht.
Nicht unbedingt.
Es hat hunderte von Stückvorstellungen gegeben ohne Präsentation.
Genauer: Es ist das erste Mal, dass bei der Taunusbühne eine Stückvorstellung anhand einer Präsentation durchgeführt wird.

Aber ich möchte sie haben. In meinen Augen ist das ein Merkmal von Professionalität. Als Amateurtheater sind wir zwar keine Profis, doch ist es unser erklärter Anspruch möglichst professionell zu arbeiten.

Also, die Präsentation muss erarbeitet werden.
Die Zeit dafür ist knapp.
Schon übermorgen trifft sich das ganze Regieteam, um Stückvorstellung und weiteres Vorgehen vorzubereiten und abzustimmen. Es wäre gut, es wäre wichtig, einen Entwurf der Präsentation parat zu haben.

Was brauchen wir noch?

Neben organisatorischen Dingen, wie bereit haben von Clubheimschlüssel, Beamer und Leinwand, müssen die Stücktexte ausgedruckt und vervielfältigt werden. Es kommt bestimmt nicht gut, wenn die Anwesenden den Text von der Leinwand ablesen müssen.

Und dann brauchen wir noch Freude.
Ja, Freude.

Wir spielen nicht Theater aus einem Muss heraus. Es ist keine Pflicht. Es ist keine Aufgabe. Es geht nicht darum etwas zu schaffen, etwas zu erringen.
Nein, es geht um Freude.
Freude am Spiel, Freude an Gemeinsamkeit, Freude am Kreativsein, Freude am Ausprobieren.
Es geht um Freude am Dasein.

Wir wollen an und bei der Stückvorstellung Freude haben und diese versprühen. Wir wollen diese Freude mitnehmen, hinüber in die Probenzeit, bis hin zu den Aufführungen. Freude für alle Beteiligten und für unser Publikum.
Hoffentlich gelingt uns das.

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